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IHKS ZUR SCHULREFORM:

Berufsschule darf nicht vernachlässigt werden

 Die Berufsschule darf nicht vernachlässigt werden, denn wir müssen alle Reserven mobilisieren, um dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, so die baden-württembergischen IHKs in einem Statement zur Schulreform. Angesichts immer weiter sinkender Schulabgängerzahlen sei es heute dringlicher denn je, die Berufsschulen und die Duale Ausbildung zu stärken. Auch müsse möglichst jeder geeignete Jugendliche in der Schule für eine Ausbildung fit gemacht werden.
Die Landesregierung sei mit dem Ziel des Ausbaus von Kindertagesstätten und Ganztagschulen auf dem richtigen Weg. Ob die Schulreform, die die baden-württembergische Kultusministerin letzte Woche angestoßen hat, dazu geeignet ist, Jugendliche besser als bisher auf das Berufsleben vorzubereiten und erfolgreich den zunehmenden Fachkräftemangel zu bekämpfen, bleibe offen. Die Wirtschaft sorge sich, dass mit der Schulreform Alternativen zur Dualen Ausbildung mit einem Trend hin zu Abitur, Studium und Vollzeitschulen unterstützt werden. Eine Entfernung vom Dualen System würden die Unternehmen und IHKs jedoch als gravierenden Fehler betrachten.
Die Gemeinschaftsschule sei ein interessantes pädagogisches Konzept. es erfordere aber sehr viel mehr Lehrer und sei damit teuer. Deshalb werde es aus seiner Sicht nur wenige Gemeinschaftsschulen geben können. „Unter solchen – noch so gutgemeinten - Experimenten dürfen die anderen Schularten nicht leiden.“ Ziel müsse es sein, die Ausbildungsreife der Bewerber aus allen Schulen zu verbessern.

Auch über Ausbildung der Lehrer nachdenken

Für die Wirtschaft sei die Frage des Schulsystems nachrangig. Qualität geschehe im Klassenzimmer. Für eine Schulreform müsse daher, wenn sie Erfolg haben will, auch über die Ausbildung der Lehrer nachgedacht werden. Gute Lehrer, engagierte Lehrer müssen mehr verdienen. Schulen bräuchten zugleich eigene finanzielle Spielräume und die Möglichkeit, bei Einstellungen von Lehrern mitzuwirken. Solche Überlegungen sollten im Konzept des Kultusministeriums stärkeres Gewicht haben.
Berufsorientierung und Wirtschaftsnähe sollten weiter ausgebaut werden. Die IHKs bedauerten die Abschaffung der von Schwarz-Gelb beschlossenen Kooperation in der zehnten Klasse einer Werkrealschule mit der Berufsfachschule. Sie war nach Ansicht der Wirtschaft der Garant für eine berufliche Ausrichtung.
Die IHKs fordern die Landesregierung auf, jetzt das zu tun, was SPD und Grüne in der Enquete-Kommission – damals noch in der Opposition – verlangt haben: in den nächsten drei Jahren jeweils 400 zusätzliche Lehrkräfte für die Berufsschulen bereitzustellen. Damit könnte dem strukturellen Defizit an den Berufsschulen von jährlich über vier Prozent stufenweise abgeholfen werden. Weitere konkrete Ansätze für eine differenzierte und qualitativ hochwertige Ausbildung, wie etwa die Entwicklung eines Bildungsnavigators, Erweiterung des Angebots an Zusatzqualifikationen und Verbesserung der Datenlage für eine integrierte Ausbildungsstatistik, die ebenfalls auf der Agenda der Enquete-Kommission standen, harrten weiterhin der Umsetzung.

DOKUMENT-NR. 84725

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