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Energiekongress - Vortrag Johannes Kindler
(PPT, 3,874 KB) (Dokument-Nr.: 85927) -
Energiekongress - Vortrag Prof. Bradke
(PPT, 3,278 KB) (Dokument-Nr.: 85928)
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Mit "Unternehmer finden Antworten auf ihre wichtigsten Fragen" ist der Energiekongress der TechnologieRegion Karlsruhe überschrieben gewesen. Angesichts des Atomausstiegs und der eingeleiteten Energiewende gibt es viele Unsicherheiten und Fragen. Die entsprechenden Antworten fanden die rund 220 Firmenvertreter auf der von der IHK Karlsruhe organisierten Veranstaltung. Dafür sorgten die zahlreichen aus ganz Deutschland angereisten Energieexperten. "Neben dem Fachkräftemangel beschäftigt die Wirtschaft vor allem das Thema Energie", machte IHK-Präsident Bernd Bechtold deutlich. Die Wirtschaft benötige zwei Dinge: Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie. "Wenige Kilometer von hier auf der anderen Rheinseite in Frankreich ist der Strom durchschnittlich um 20 Prozent billiger. Und was 20 Prozent Kostenunterschied für einen Unternehmer bedeuten, das muss ich nicht weiter ausführen", sagte er. Erste Bürgermeisterin Margret Mergen betonte die Bedeutung der TechnologieRegion Karlsruhe als Energiekompetenzzentrum in Deutschland und Europa. "Die TechnologieRegion Karlsruhe ist eine Modellregion, in der Energieinnovationen in kommunales Handeln umgesetzt werden", so Mergen weiter. Dabei betonte sie einen wichtigen Aspekt - den der Energieeffizienz. "Die Energieagenturen in der Region sind dabei sehr aktiv", sagte sie und verwies auf das von der Stadt Karlsruhe selbst gesteckte Ziel, den eigenen Stromverbrauch sowie den CO2-Ausstoß bis 2020 um jährlich zwei Prozent zu verringern und gleichzeitig den Anteil erneuerbarer Energien zu verdoppeln. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Zusammenarbeit der Mineralölraffinerie Oberrhein und den Stadtwerken Karlsruhe. Die in der Raffinerie entstehende Abwärme speisen die Stadtwerke nun ins Fernwärmenetz ein.
Zwei gute und eine schlechte Nachricht hatte der Energiekongress für die Besucher parat. "Billiger wird es nicht", antwortete Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, auf die Frage nach der Entwicklung der Energiepreise. Dagegen schloss Johannes Kindler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, einen vollständigen Stromausfall aus: "Nach menschlichem Ermessen gibt es keinen Black-Out." Zudem gibt es nach den Worten von Professor Harald Bradke, Leiter Energiepolitik und Energiesysteme am Karlsruher Fraunhofer ISI, noch immense Möglichkeiten der Energieeinsparung. Welche Probleme die Umstellung auf erneuerbare Energien mit sich bringen legte Dr. Peter Fritz, Vizepräsident des KIT, dar. Als Beispiel nannte er die Windkraft. "Installierte Leistung und erzeugte Strommenge differieren deutlich", so der für Forschung und Innovation Verantwortliche an Europas größter Forschungseinrichtung für Energie. Dieser Unterschied resultiere in erster Linie aus den starken Schwankungen der Windstärke. Jedoch habe in den vergangenen Jahren die Windintensität in Deutschland abgenommen habe, mit der Folge: "Trotz zunehmender Windkraftanlagen sinkt die Strommenge."
Auf die Bedeutung von Versorgungssicherheit für die Wirtschaft wies Christian Metzger, Leiter des Michelin-Werks Karlsruhe, hin: "Ein kurzer Stromausfall bedeutet Kosten im hohen fünfstelligen Bereich." Auch wenn Johannes Kindler einen großen Black-Out ausschloss, räumte er ein: "Die Risiken von Versorgungsstörungen sind deutlich gestiegen." Für den Vizepräsidenten der Bundesnetzagentur heißt das als Konsequenz die schnellstmögliche Fertigstellung der im Bau befindlichen Kraftwerke, das Lösen der Speicherproblematik sowie den Ausbau der Transportnetze. Letztere veranschlagt er mit rund 30 bis 50 Milliarden Euro bis 2020, wobei nicht die Investitionssumme der Engpass sei: "Es liegt nicht am Geld. Es liegt an den langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren."
Auch die Energiepreise werden in hohem Maße von der öffentlichen Hand beeinflusst. "Über 80 Prozent des Strompreises sind dem Markt entzogen", betonte Eberhard Oehler, Geschäftsführer der Stadtwerke Ettlingen. Dieser beachtliche Prozentsatz ergibt sich durch vielerlei auferlegte Steuern und Abgaben, wie beispielsweise das Erneuerbare-Energien.Gesetz (EEG). "Die Stadtwerke sind die Inkassounternehmen des Staates", brachte er es auf den Punkt. Angesichts ständig steigender Energiekosten sieht Dr. Oliver Maetschke, Vorstand der Ettlin AG, die Gefahr einer Deindustrialisierung. Durch den Alleingang bei der Energiewende habe sich die Wettbewerbsposition der deutschen Firmen verschlechtert. Angesichts der internationalen Konkurrenz ließen sich die höheren Energiekosten nicht in die Preise einrechnen. Das bestätigte auch Hildegard Müller: "Die Stromkosten sind die Arbeitskosten der 80-er Jahren."
Dass steigende Preise nicht gleichbedeutend sind mit einer steigenden Stromrechnung veranschaulichte Professor Harald Bradke. Eines seiner Beispiele war das der Drucklufterzeugung, eine extrem energieaufwändige und damit extrem teure Anwendung. "Eineinhalb Großkraftwerke arbeiten ausschließlich dafür", erklärte er. Mit intelligenten technischen Lösungen ließen sich rund 30 Prozent einsparen. Investitionen, die sich rechneten angesichts einer hohen internen Verzinsung. Bewährt hätten sich dabei Energieeffizienznetzwerke. 27 solcher Zusammenschlüsse von zehn bis 15 Unternehmen gibt es derzeit im Bundesgebiet, eines davon in Karlsruhe. Mit einem geschulten Ingenieur als Berater vereinbaren die Partner freiwillige Einsparziele. Diese seien bisher immer übertroffen worden. Durchschnittlich liege die interne Verzinsung der dafür notwendigen Investitionen bei knapp 40 Prozent. "Diese Netzwerke leben vom Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen", berichtete Professor Harald Bradke.
Insbesondere beim Thema Energieeffizienz sieht IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Hans-Peter Mengele ein beachtliches Potenzial. Deshalb werde die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe ihre Aktivitäten in diesem Bereich noch einmal ausweiten. Zugleich kündigte er an, gegenüber der Politik die Interessen der Wirtschaft weiter mit allem Nachdruck zu vertreten.
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