. .
Illustration

UMWELT - AKTUELL

Gefährdungsbeurteilung „Erstickungsgas Kohlendioxid (CO2)“ in Räumlichkeiten zur CO2-Löschmittelbevorratung

Für CO2-Löschanlagen wird das Löschgas in entsprechenden Gasdruckflaschen oder Behältern bereitgehalten. Diese Behälter und Rohrleitungen sind ständig an die Anlage angeschlossen und könnten aufgrund von Undichtigkeiten Gas verlieren.

CO2 kann in hohen Konzentrationen zu Atemstillstand führen. Zwischen 4-6% in der Luft treten Kopfschmerzen und Schwindel auf und mehr als 10%  führt innerhalb von 10 bis 20 Minuten zum Tod. Deshalb ist es wichtig, Lagerbereiche für CO2- Löschmittelbevorratung zu beurteilen und entsprechende Maßnahmen festzulegen.

1. Gefährdungsbeurteilung

Mit Hilfe der FMEA-Methode und deren festzulegenden Einflussparametern kann eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden.

Folgende Einflussparameter sollten berücksichtigt werden:

  • Folgenschwere (F), diese ist abhängig von der CO2-Lagermenge (desto mehr CO2 gelagert wird, desto mehr kann theoretisch entweichen),
  • Auftrittswahrscheinlichkeit (A), diese ist abhängig von:
    • Der Häufigkeit der Begehung des Bereiches (desto häufiger man sich in einem Bereich aufhält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, der Gefahr ausgesetzt zu sein)
    • Den Luftverhältnissen (desto höher die Luftwechselzahl, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine gefährliche Ansammlung von CO2 auftritt),
  • Entdeckungswahrscheinlichkeit (E), diese ist abhängig davon:
    • Ob eine Gewichtsüberwachung der CO2-Behälter vorhanden ist,
    • Ob eine Raumüberwachung mit CO2-Sensor vorhanden ist.

Für jeden Einflussparameter werden Punkte in Abhängigkeit von der Ausprägung vergeben (siehe Tabelle):

Einflussparameter

Details

Folgenschwere (F)

Lagermenge CO2 pro m³-Raum

  • 1 Punkt: < 20g/m³
  • 5 Punkte: < 50g/m³
  • 10 Punkte: > 50g/m³

Auftrittswahrschein-

lichkeit (A)

Häufigkeit der Begehung des Bereiches

  • 1 Punkt: wöchentlich oder weniger
  • 2 Punkte: täglich
  • 3 Punkte: mehrmals täglich

Luftverhältnisse

  • 0 Punkte: Technische Lüftung (siehe 3.)
  • 3 Punkte: Natürliche Lüftung (siehe 3.)
  • 7 Punkte: keine Lüftung

Entdeckungs-

wahrscheinlichkeit (E)

Gewichtsüberwachung der CO2-Behälter

  • 1 Punkt: ja
  • 4 Punkte: nein

Raumüberwachung mit CO2-Sensor

  • 0 Punkte: ja
  • 6 Punkte: nein

Pro Einflussparameter (F, A, E) werden, anhand der örtlichen Gegebenheiten, die Punkte addiert. Die Gesamtpunktzahlen der einzelnen Einflussparameter werden dann zu der sogenannten Risikoprioritätszahl (RPZ) multipliziert (siehe Beispiel 4.). In Abhängigkeit von der Höhe der RPZ müssen Maßnahmen festgelegt werden. Hierbei kann unterschieden werden zwischen:

  • keine Maßnahmen,
  • mittelfristig Maßnahmen,
  • sofortige  Maßnahmen.

Ab welcher RPZ welche Maßnahmen getroffen werden, muss jedes Unternehmen für sich festlegen.

2. Maßnahmen

Aus den festgelegten Einflussparametern ergeben sich entsprechend die Maßnahmen, die ergriffen werden können, um die RPZ und somit das Risiko auf ein akzeptiertes Niveau zu reduzieren.

Folgende Maßnahmen können ergriffen werden:

  • Reduzierung der Folgenschwere (F) durch Reduzierung der CO2-Lagermenge,
  • Reduzierung der Auftrittswahrscheinlichkeit (A) durch Reduzierung der Aufenthaltshäufigkeit und/oder Lüftungsmaßnahmen (siehe 3.),
  • Erhöhung der Entdeckungswahrscheinlichkeit (E) durch eine Gewichtsüberwachung der CO2-Behälter und/oder einer Raumüberwachung mit CO2-Sensor(en).

3. Anforderungen an Lüftung

3.1. Natürliche Lüftung

In der TRGS 510 "Lagerung" wird von einer ausreichenden Lüftung gesprochen, wenn unmittelbar ins Freie führende Lüftungsöffnungen mit einem Gesamtquerschnitt von mindestens 1/100 der Bodenfläche des Lagerraumes vorhanden sind.

Nach der TRBS 2152 Teil 2 stellt sich eine natürliche Lüftung ein, die signifikant über einer üblichen technischen Lüftung liegen kann, wenn bauliche Maßnahmen für ungehinderten Ein- und Auslass von Luft vorgesehen werden und als treibende Kräfte für natürliche Lüftung großflächig andauernd warme Flächen mit einer Temperaturdifferenz von mindestens 5 K gegenüber der Außentemperatur zur Verfügung stehen.

3.2. Technische Lüftung

In der TRBS 2141 Teil 3 wird bei der Aufstellung von Druckanlagen bzw. deren Teilen zur Vermeidung von Gefährdungen durch die Freisetzung von Medien eine technische Lüftung mit mindestens einem zweifachen Luftwechsel in der Stunde gefordert.

Die Einrichtung ist entweder ständig wirksam oder wird über eine Gaswarneinrichtung automatisch eingeschaltet. Beim Ausfall der Einrichtung für die technische Lüftung muss ein Alarm ausgelöst werden.

4. Beispiel zur Gefährdungsbeurteilung

In einer CO2 Löschzentrale (20x10x3m) sind 4 Flaschen à 50kg angeschlossen. Die Anlage wird zur Überwachung wöchentlich kontrolliert. Im Raum liegt eine natürliche Lüftung (siehe 3.) vor. Die Flaschen haben eine Gewichtsüberwachung. Das Unternehmen hat  für sich festgelegt, dass ab einer RPZ von 420 sofortige und zwischen 210 und 420 mittelfristige Maßnahmen zu ergreifen sind.

Die Berechnung der Einflussparameter ergibt:

  • Folgenschwere: 
    • 4 Flaschen à 50kg (4x 50.000g=200.000g), Raum 20x10x3m (=600 m³), daraus folgt 200.00g/600 m³ = 333g/mG³
    • 333g/m³ entsprechen einer Punktzahl von 10.
  • Auftrittswahrscheinlichkeit:
    • wöchentliche Kontrolle = 1 Punkt
    • Natürliche Lüftung = 3 Punkte
    • Summe = 1 + 3 = 4 Punkte
  • Entdeckungswahrscheinlichkeit:
    • Gewichtsüberwachung der CO2-Flaschen = 1 Punkt
    • Keine Raumüberwachung mit CO2-Sensor = 6 Punkte
    • Summe = 1 + 6 = 7

Für die RPZ werden jetzt die Punkte der Folgenschwere, der Auftrittswahrscheinlichkeit und der Entdeckungswahrscheinlichkeit multipliziert (10x4x7=280).

Somit sind mittelfristig Maßnahmen zu ergreifen, z. B. mit der Installation eines CO2-Sensors kann die RPZ auf 40 (10x4x1) reduziert werden.

Quelle: IHK Südlicher Oberrhein

Bookmark setzen bei: Twitter Bookmark setzen bei: Facebook Bookmark setzen bei: XING  Bookmark setzen bei: MySpace Bookmark setzen bei: Yahoo Bookmark setzen bei: Google

DOKUMENT-NR. 74935

  • MEHR ZU DIESEM THEMA

  • ANSPRECHPARTNER

  • Telefon: 0721 174-174
  • Fax: 0721 174-144
  • UMFIS-ONLINE