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Konjunkturbericht Baden-Württemberg Juni 2011
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Konjunkturbericht Baden-Württemberg Juni 2011 Grafiken
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Gestärkt durch die Krise und bestätigt durch die jüngsten Erfolge im Erholungsprozess haben selbst dramatische Ereignisse wie das Erdbeben und die daraus folgende Reaktorkatastrophe in Japan, die politischen Umwälzungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen in Nordafrika und im Nahen Osten sowie die Verschuldungskrise einiger EU-Länder die Zuversicht der hiesigen Unternehmen in ihre künftige Geschäftsentwicklung bislang nicht trüben können.
Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die aktuelle Lage der Unternehmen und ihre Erwartungen für die kommenden zwölf Monate in einem Wert zusammenfasst, ist seit Jahresbeginn nochmals um vier auf 143 Punkte gestiegen. So hoch lag das Konjunkturklima seit über zwanzig Jahren nicht mehr. Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHKs in Baden-Württemberg, an der knapp 3.800 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen teilgenommen haben, deutet somit auf ein erneut sehr kräftiges und robustes Wirtschaftswachstum des Südwestens im Jahr 2011 hin.
Triebfeder Investitionen
Im vergangenen Jahr kamen die kräftigsten Konjunkturimpulse noch aus dem Außenhandel. Auch 2011 bleibt die weiterhin steigende Nachfrage aus dem Ausland eine Triebfeder der Südwestwirtschaft: Mit steigenden Exporten rechnen 49 Prozent aller auslandsorientierten Unternehmen, zu Jahresbeginn lag dieser Anteil lediglich um einen Prozent höher. Rückschläge im Auslandsgeschäft befürchten unverändert nur vier Prozent der Unternehmen. Da jedoch auch die Importe Baden-Württembergs aufschwungbedingt stark ansteigen, wird der Wachstumsbeitrag des Außenhandels inzwischen von dem der Inlandsnachfrage übertroffen. Insbesondere führen die stark steigenden Inlandsinvestitionen der Unternehmen in Deutschland zu immer volleren Auftragsbüchern, steigender Produktion und somit immer besser laufenden Geschäften bei den Herstellern von Investitionsgütern sowie deren Zulieferern und Dienstleistern. Baden-Württemberg, als der Standort des deutschen Maschinen- und Fahrzeugbaus, profitiert von dieser Entwicklung mehr als alle anderen Regionen Deutschlands. Innerhalb dieser Branchen boomen die Geschäfte derzeit am stärksten im Werkzeugmaschinenbau: 88 Prozent der Werkzeugmaschinenbauer melden gestiegene Umsätze, 80 Prozent zunehmende Auftragseingänge, die Kapazitätsauslastung liegt mit 91 Prozent acht Prozentpunkte oberhalb des langfristigen Durchschnitts. Obwohl bereits 70 Prozent dieser Betriebe ihre aktuelle Lage als gut einschätzen, rechnen 68 Prozent der Unternehmen mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäfte in den kommenden Monaten, nur ein Prozent ist pessimistisch.
Dass dieser Optimismus gerechtfertigt ist, belegen die gesamtwirtschaftlichen Investitionspläne: 38 Prozent der Südwestunternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr im Inland investieren als im Vorjahr, nur knapp zehn Prozent planen geringere Investitionsausgaben.
Optimismus auf breiter Front
Der Aufschwung in Baden-Württemberg stützt sich somit auf eine zunehmend stabilere Basis. Auch der private Konsum belebt sich allmählich, da die Zunahme der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie die sinkende Arbeitslosigkeit zu einer Erhöhung des verfügbaren Einkommens und der Konsumneigung der Verbraucher führt. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass einzelne konsumnahe Branchen kleinere Rückschläge erleiden. So bewertet der Einzelhandel im Frühjahr 2011 seine aktuelle Situation nicht mehr ganz so gut wie noch zu Jahresbeginn. Der Anteil der Einzelhändler in guter Lage ist von 43 auf 36 Prozent zurückgegangen.
Die Einzelhändler sind jedoch zunehmend zuversichtlich, dass sich auch die eigene Branche so wie die Südwestwirtschaft insgesamt in den kommenden Monaten weiter auf einem Wachstumskurs befinden wird. Zwar sehen die Unternehmen durchaus bedeutsame Risiken am konjunkturellen Horizont aufziehen – vor allem die anhaltende Zunahme der Rohstoff- und Kraftstoffpreise bereiten einer wachsenden Zahl von Unternehmen und Branchen große Sorgen. Auch in der Entwicklung der Arbeitskosten sowie der politischen Rahmenbedingungen erkennt eine steigende Zahl von Betrieben ein Geschäftsrisiko. Trotzdem blickt die Wirtschaft insgesamt unvermindert optimistisch nach vorn. Die positiven Nachfrageimpulse aus dem In- und Ausland wiegen offensichtlich weiterhin schwerer als potenzielle Wachstumsbremsen.
Arbeitsmarkt: Fachkräftemangel nimmt zu
Die positive Arbeitsmarktentwicklung hat sich im April 2011 weiter fortgesetzt. Mit 235.150 Arbeitslosen lag die bei den Arbeitsagenturen registrierte Arbeitslosigkeit schon fast wieder so niedrig wie vor der Krise im April 2008. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent ist Baden-Württemberg nach Bayern das Bundesland mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit (Deutschland: 7,3 Prozent). Die Zahl der von den Agenturen bekannt gegebenen offenen Stellen (74.076) liegt sogar schon wieder über dem Niveau von vor der Krise.
Die Zahl der offenen Stellen dürfte auch künftig schneller zunehmen als die Arbeitslosenzahlen zurück gehen. Denn der Personalbedarf der Unternehmen wird weiter zunehmen. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Belegschaft in den kommenden zwölf Monaten weiter vergrößern wollen, ist von 18 Prozent im Frühjahr 2010 auf aktuell 31 Prozent angestiegen. Im gleichen Zeitraum ging der Anteil der Betriebe, die einen Personalabbau für notwendig erachten, von 18 Prozent auf acht Prozent zurück. Jedoch steigt auch die Zahl der Betriebe, die befürchten, die benötigten qualifizierten Fachkräfte auf dem heimischen Arbeitsmarkt nicht in ausreichender Zahl finden zu können. Im Fachkräftemangel sehen aktuell bereits 36 Prozent der Unternehmen ein dauerhaftes Konjunkturrisiko.
Baden-Württemberg wird künftig als Standort für Unternehmen nur dann attraktiv bleiben, wenn es gelingt, einen extremen Mangel an Fachkräften zu vermeiden. Deshalb sollten alle Potenziale möglichst optimal ausgeschöpft werden, u. a. durch eine Verbesserung der frühkindlichen Bildung, Schulbildung, Berufsorientierung und Ausbildungsreife der Schulabgänger sowie durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und durch Zuwanderung.
(Juni 2011)
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