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Konjunkturbericht Baden-Württemberg Oktober 2011
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Mit gebremstem Schwung
Konjunkturbericht für Baden-Württemberg, Oktober 2011
Im zweiten Jahr in Folge wird Südwestwirtschaft nicht nur ein überdurchschnittliches, sondern auch ein höheres Wirtschaftswachstum als alle anderen Bundesländer erreichen. Nach einem Plus von 5,5 Prozent im Jahr 2010 wird das Bruttoinlandsprodukt 2011 dank einer sehr dynamischen Entwicklung in den ersten Monaten dieses Jahres nochmals um rund vier Prozent zulegen und damit die Einbußen durch die globale Wirtschaftskrise wieder mehr als wettgemacht haben. Darauf deutet die aktuelle Konjunkturumfrage der IHKs in Baden-Württemberg hin, an der gut 4.000 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen teilgenommen haben.
Ihr bereits im Frühsommer 2011 erreichtes hohes Niveau wirtschaftlicher Aktivität hat die Südwestwirtschaft bis in den Herbst nochmals erhöhen können. Die Umsätze aus dem In- und Ausland sind weiter gestiegen. Die Auslastung der Kapazitäten konnte von hohem Niveau aus nochmals leicht gesteigert werden. Die Auftragsbücher der meisten Unternehmen haben sich weiterhin prall gefüllt. Folglich befindet sich die Südwestwirtschaft im Herbst 2011 weiterhin im Boom und die Zufriedenheit mit der aktuellen Geschäftssituation hat nicht nachgelassen. 53 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Schlecht laufen die Geschäfte für nur fünf Prozent der Betriebe. Überdurchschnittlich rund läuft die Konjunktur in der Investitionsgüterindustrie, insbesondere im Fahrzeugbau und Werkzeugmaschinenbau, sowie in den unternehmensnahen Diensten. Ingenieurdienstleistungen, Zeitarbeit und ITK-Dienste sind besonders gefragt.
Steigende Risiken drücken die Stimmung
Trotz der weiterhin hervorragenden Ausgangsposition der Südwestwirtschaft ist ihr ausgeprägter Optimismus aus dem ersten Halbjahr dieses Jahres weitestgehend verflogen. Gestiegene Konjunkturrisiken scheinen den Blick vieler Unternehmen auf die kommenden zwölf Monate zu vernebeln, wodurch die Verunsicherung vieler Betriebe über den weiteren Konjunkturverlauf merklich angestiegen ist. Zu diesen Risiken zählen insbesondere die ungelöste Staatsverschuldungskrise Griechenlands, das weiterhin verzweifelt gegen die Staatspleite ankämpft, sowie die permanente Gefahr eines Überschwappens auf andere hoch verschuldete Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion. Allein die Schaffung immer größerer Rettungsschirme hat die turbulenten Börsen und Finanzmärkte bislang nicht beruhigen können. Die Politik scheint uneins bis ratlos. Hinzu kommen weitere Konjunkturrisiken, wie die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise sowie die sich nur zögerlich erholende US-Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund ist die Zahl der Unternehmen gestiegen, die sich wieder Sorgen um die Entwicklung der Nachfrage im In- und Ausland machen. Da erscheint die aufgrund des hohen Nachfrageniveaus auch ohne Eurokrise erwartete Abschwächung des Nachfragewachstums bereits als Vorbote eines alsbald ungünstigeren Konjunkturverlaufes: Die Mehrheit der Südwestunternehmen meldet im Herbst 2001 eine konstante Tendenz bei den Auftragseingängen, im Frühsommer registrierten die meisten Betriebe noch steigende Auftragseingänge. Insgesamt bleibt die Nachfrage leicht aufwärts gerichtet.
So fällt denn auch der Blick der Südwestwirtschaft auf die kommenden zwölf Monate nur noch vorsichtig zuversichtlich aus. Die Zahl der Optimisten ist von 49 Prozent im Frühsommer auf aktuell 26 Prozent geschrumpft. 53 Prozent der Betriebe rechnen mit einem konstanten Geschäftsverlauf (+10 Prozentpunkte). Geschäftseinbrüche befürchten inzwischen 21 Prozent der Unternehmen, im Frühsommer taten dies erst acht Prozent. Während die Industrie und der Handel ihre Perspektiven noch etwas reservierter betrachten als die Gesamtwirtschaft, ist die Zuversicht unter den Dienstleistern deutlich ausgeprägter.
Investitionen stützen den Aufschwung
Dabei scheint die innere Dynamik des Wirtschaftsgeschehens robuster zu sein, als es die starke Korrektur der allgemeinen Geschäftserwartungen nahe legen würde. So bleiben die Pläne für Inlandsinvestitionen trotz eines leichten Rückgangs der Zahl der Unternehmen mit expansiven Investitionsabsichten weiterhin klar aufwärts gerichtet und bilden eine wichtige Konjunkturstütze im Südwesten. 30 Prozent der Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr in Deutschland investieren als in den vergangenen zwölf Monaten. Gekürzt haben ihre Investitionsbudgets lediglich zwölf Prozent. Zudem rechnen zwar merklich weniger exportorientierte Unternehmen mit steigenden Ausfuhren als noch im Frühsommer, jedoch ist die Zahl der Exportoptimisten mit einem Anteil von 37 Prozent weiterhin wesentlich größer als der Anteil der Exportskeptiker (10 Prozent). Überdurchschnittliche Impulse verspricht sich die Südwestindustrie weiterhin vor allem von der asiatischen Nachfrage.
Arbeitsmarkt: Schwierige Personalsuche
Ende September 2011 waren 215.938 Personen in Baden-Württemberg bei den Arbeitsagenturen als Arbeitslose registriert, was einer Quote von 3,9 Prozent entspricht. Damit wurde das Arbeitslosigkeitsniveau von vor der Krise erstmalig wieder unterschritten. Deutlich schneller hat sich die Zahl der offenen Stellen (79.578) erholt. Sie liegt 20 Prozent über dem Vorkrisenstand und war zuletzt im IT-Boom vor elf Jahren noch höher.
Diese positive Entwicklung des Arbeitsmarktes wird sich in den kommenden Monaten mit leicht verringerter Dynamik weiter fortsetzen. Zum einen wird der nachlassende konjunkturelle Schwung den Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften reduzieren. Der Anteil der Betriebe mit ansteigendem Personalbedarf ist im Vergleich zum Frühsommer dieses Jahres nur leicht, von 31 auf 25 Prozent zurückgegangen. Personal abbauen wollen derzeit neun Prozent der Unternehmen (+ 1 Prozentpunkt).
Zum anderen wird es immer schwieriger, passende Kräfte zu finden. Bereits heute haben 45 Prozent der Betriebe offene Stellen, die sie nicht besetzen können. Besonders schwierig ist die Suche nach technischen Fachkräften. Dabei unternimmt die Wirtschaft schon erhebliche Anstrengungen, um ihren Fachkräftebedarf vor allem über mehr Aus- und Weiterbildung sowie die Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu befriedigen. Sie hierbei zu unterstützen, fordern die Unternehmen von der Politik. Zwei Drittel der Betriebe mahnen, die Qualifikationen der Schulabgänger zu verbessern. 39 Prozent forden den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, rund 20 Prozent hoffen auf Erleichterungen bei der Einstellung ausländischer Fachkräfte.
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