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76 Prozent der Firmen bewerten Lage als zufriedenstellend
Karlsruhe, 12. Februar 2009
Drei von vier Unternehmen in der TechnologieRegion Karlsruhe bewerten ihre eigene Situation trotz der weltweiten Wirtschaftskrise weiterhin als gut oder zufriedenstellend. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe. „Die weitere Entwicklung ist schwer einschätzbar und hängt von der Weltkonjunktur ab”, sagt IHK-Präsident Bernd Bechtold. Allerdings sei die regionale Wirtschaft weltweit sehr konkurrenzfähig. „Wir befinden uns daher nicht in einer Strukturkrise, sondern in einer Wachstumskrise”, macht er deutlich. Aus Sicht der IHK sei es wichtig, dass die Betriebe alle Möglichkeiten ausschöpfen, um ihre Fachkräfte zu halten und die Zeit nutzen, um diese weiter zu bilden. „Vor allem in der Ausbildung dürfen die Unternehmen auf keinen Fall nachlassen. Das wäre an der falschen Stelle gespart”, betonte der IHK-Präsident. Für durch die Wirtschaftskrise in Probleme geratene Firmen biete die IHK Karlsruhe zudem ein besonderes Beratungsangebot an. Der so genannte „Runde Tisch” habe schon in der Vergangenheit zahlreichen betrieben helfen können und viele Arbeitsplätze gerettet.
Die Unternehmen spüren laut Umfrage zunehmend die konjunkturellen Widrigkeiten und fällen zum Jahresbeginn 2009 über ihre geschäftliche Situation ein merklich schlechteres Urteil. Der Anteil der Betriebe, die ihre geschäftliche Situation als gut bewerten, ist von 39 Prozent im vergangenen Herbst auf aktuell 26 Prozent gesunken. Vor einem Jahr lag dieser Anteil sogar noch bei 45 Prozent. Immerhin jedes zweite Unternehmen beurteilt seine Lage noch als zufriedenstellend. Mit ihrer Geschäftslage unzufrieden zeigen sich derzeit 20 Prozent der Unternehmen, seit letztem Herbst ein Anstieg um acht Prozentpunkte.
Die nachlassende Dynamik zieht sich durch alle Wirtschaftszweige. Im unternehmensnahen Dienstleistungssektor und dem Großhandel dominieren die positiven Urteile aber nach wie vor deutlich. Die Geschäfte der Bauwirtschaft haben sich überwiegend zufriedenstellend entwickelt. Die Industrie ist in zunehmend schwierigeres Fahrwasser geraten, so dass mittlerweile die negativen Lageurteile die positiven Bewertungen leicht übersteigen. Etwas aufgeholt hat der Einzelhandel, auch wenn die negativen Bewertungen der Geschäftslage nach wie vor deutlich überwiegen.
Die regionale Wirtschaft zeigt sich äußerst skeptisch, was ihre Aussichten für das laufende Jahr angeht. Zu Beginn des Jahres 2009 rechnen nur noch zehn Prozent der Unternehmen mit einem besseren Geschäftsverlauf (Herbst 2008: 21 Prozent), ein immerhin gleichbleibendes Ergebnis erwarten 37 Prozent der Unternehmen. Mit 53 Prozent ist der Anteil der Skeptiker außerordentlich hoch (Herbst 2008: 26 Prozent). Diese extrem negative Erwartungshaltung ließ den IHK-Konjunkturklimaindikator auf den tiefsten Stand seit nunmehr 13 Jahren fallen.
IHK-Präsident Bechtold: „Die Einschätzung der Erwartungen bewegt sich derzeit auf einem extrem unsicheren Fundament. Die ersten seit Jahresbeginn veröffentlichten Wirtschaftsdaten zeigen, dass in den kommenden Monaten weitere Belastungen zu befürchten sind. Auf der anderen Seite macht die Korrektur der Übertreibungen an den Energie- und Rohstoffmärkten Hoffnung auf eine Wende zum Besseren. Die sinkenden Inflationsraten gewähren Entlastung sowohl für die Kostenseite der Unternehmen als auch für die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte. Auch der hohe Investitionsanteil der Konjunkturprogramms II setzt an der richtigen Stelle an und kann sich als hilfreich erweisen, wenn geplante Investitionen vorgezogen und kurzfristig umgesetzt werden.”
Die Wirtschaftskrise erreicht mit der üblichen Verzögerung nun auch den regionalen Arbeitsmarkt. Die Personalplanungen werden den wegbrechenden Aufträgen und sinkenden Produktionszahlen angepasst. Zwar ist die Mehrheit der Unternehmen entschlossen, ihre Stammbelegschaften so lange wie möglich zu halten, da qualifizierte Fachkräfte nicht einfach zu ersetzen sind, wenn es wieder aufwärts geht, im Saldo wurden die Beschäftigungspläne jedoch rasant nach unten korrigiert. Zum Jahresbeginn 2009 weist der Beschäftigungsindikator zum ersten Mal nach drei Jahren wieder ein negatives Vorzeichen auf.
Die düsteren Absatzaussichten bremsen die Investitionspläne der Unternehmen. Der geplante Bau neuer Fabriken und Anlagen oder der Kauf neuer Maschinen und Fahrzeuge wird in vielen Betrieben für die nächste Zeit auf Eis gelegt. Knapp die Hälfte der Unternehmen gibt mittlerweile an, im laufenden Jahr geringer als in 2008 oder gar nicht zu investieren. Im Herbst vergangenen Jahres äußerte weniger als ein Drittel der Unternehmen rückläufige Investitionspläne. In den kommenden Monaten mehr Geld in Maschinen und Produktionsanlagen zu stecken plant derzeit nur jeder fünfte Betrieb, während im vergan-genen Herbst noch jedes dritte Unternehmen höhere Investitionsbudgets vorsah. Besonders schwach ausgeprägt ist die Investitionsneigung derzeit in der Bauwirtschaft und der Industrie. Dabei hatte insbesondere die regionale Investitionsgüterindustrie bis in den vergangenen Herbst hinein noch ausgesprochen expansive Investitionspläne gehegt. Aber auch in den anderen Wirtschaftszweigen überwiegt derzeit deutlich die Investitionszurückhaltung. Sofern im laufenden Jahr investiert wird, handelt es sich hauptsächlich um Modernisierungs- und Rationalisierungsinvestitionen.
In den Bewertungen zur Geschäftslage schlägt sich auch die deutlich schwächere Umsatzentwicklung nieder. Die aktuelle Ertragslage ist durchwachsen. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung ist von 84 Prozent im Herbst 2008 auf aktuell 78 Prozent gesunken. Ebenfalls auf die Stimmung drückt die aktuelle Tendenz im Auftragseingang aus dem In- und Ausland. Die regionale Industrie hat sich in den vergangenen Jahren auf den Weltmärkten hervorragend positioniert. Der globale Wirtschaftsabschwung sorgte jedoch in den vergangenen Monaten rapide für ein dickes Minus in den Auftragsbüchern.
In der regionalen Bauwirtschaft zeigt sich die aktuelle Geschäftslage zu Jahresbeginn 2009 ausgeglichen. Zwar hat sich der Anteil der positiven Lagebeurteilungen gegenüber dem vergangenen Herbst fast halbiert, die große Mehrheit der Unternehmen zeigt sich aber durchaus zufrieden. Die im vergangenen Jahr stark gestiegenen Kosten für Baumaterialien haben sich bei einer Vielzahl von Betrieben allerdings ungünstig auf die Gewinnmarge ausgewirkt. In der Summe aller Bausparten sind die Auftragseingänge zuletzt massiv eingebrochen. Entsprechend negativ sind die Erwartungen der regionalen Baubranche für die weitere Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr.
Der regionale Großhandel zeigt sich vom konjunkturellen Winter noch relativ unbeeindruckt. Mit plus 25 liegt der Saldo aus den positiven und negativen Urteilen zur Geschäftslage deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von plus 5. Freilich wurde bereits im Herbst 2008 ein Rückgang der Kaufbereitschaft der Großhandelskunden registriert, der sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt hatte. Auf die kommenden zwölf Monate schauen die Großhändler insbesondere aufgrund der derzeitigen konjunkturellen Entwicklung mit vermehrter Skepsis. Das Gros der Betriebe erwartet bei stagnierenden bis fallenden Verkaufspreisen sinkende Umsätze.
Der regionale Einzelhandel hat bei der Bewertung der aktuellen
Geschäftslage etwas aufgeholt, auch wenn die negativen
Beurteilungen noch deutlich überwiegen. Die Umsatzentwicklung
verlief in den vergangenen Monaten sehr unterschiedlich. Der
Lagerdruck hat sich wieder erhöht. Für das laufende Jahr erwarten
die Einzelhändler wenig Gutes. Angesichts der unsicheren
Arbeitsmarkt- und Einkommensaussichten dürften die Verbraucher in
den kommenden Monaten zurückhaltend agieren.
Auch der unternehmensnahe Dienstleistungssektor bekommt
mittlerweile die konjunkturelle Abkühlung - je nach Branche in
unterschiedlicher Intensität - zu spüren. Per Saldo ist jedoch der
Anteil der Unternehmen in guter Geschäftslage immer noch doppelt so
hoch wie der Anteil der Dienstleister, die über eine schlechte
Geschäftssituation klagen. Die Geschäftserwartungen für das
laufende Jahr fallen pessimistisch aus. Zum ersten Mal seit fast
sechs Jahren ist im unternehmensnahen Dienstleistungssektor der
Anteil der Pessimisten höher als der Anteil der Optimisten. Die
Umsatzerwartungen wurden zurückgeschraubt. Immer mehr Unternehmen
gehen davon aus, dass das Preisniveau am Markt weiter sinken
wird.
An der regelmäßigen Trimesterumfrage der IHK Karlsruhe beteiligt sich eine repräsentative Auswahl von 1.085 Unternehmen aus den Bereichen Industrie (310), Bauwirtschaft (35), Groß- und Einzelhandel (200), Hotel- und Gaststättengewerbe (50) und dem Dienstleistungssektor (490).
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Steigende Preise und die sinkende Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen belasten die Unternehmen zunehmend. Jeder fünfte Industriebetrieb hat wegen der unsichereren Versorgungslage bereits Aktivitäten ins Ausland verlagert oder plant dies zumindest. Der DIHK skizziert, wie die Sorgen der Unternehmen bei der Energie- und Rohstoffversorgung gemindert werden können, damit der Wirtschaftsstandort Deutschland auch künftig verlässliche Rahmenbedingungen bietet.<br /><br />
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