STANDORTPOLITIK
DIHK-Arbeitsmarktreport 2011: Der Arbeitsmarkt im Zeichen der Fachkräftesicherung
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat im Rahmen seiner Umfrage zu „Wirtschaftslage und Erwartungen“ im Herbst 2011 die Industrie- und Handelskammern (IHKs) gebeten, die Unternehmen auch zu dem Thema Fachkräftesicherung zu befragen.
Die Ergebnisse in Kurzform:
• Die Fachkräftesicherung wird mehr und mehr zur Herausforderung. Jedes dritte Unternehmen sieht im Fachkräftemangel eines der größten Risiken für die eigene wirtschaftliche Entwicklung – zu Jahresbeginn 2010 waren es nur halb so viele. Besonders betroffen ist die Bauwirtschaft mit 44 Prozent, gefolgt von den Dienstleistern mit 37 Prozent.
• Mehr als jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) kann offene Stellen länger als zwei Monate nicht besetzen. In der Bauwirtschaft und in der Industrie bleiben in über 40 Prozent der Betriebe offene Stellen zwei Monate und mehr vakant.
• Gerade technikorientierte Branchen wie beispielsweise der Werkzeugmaschinenbau (54 Prozent), der Fahrzeugbau (53 Prozent) und die Elektrotechnik (48 Prozent) sind betroffen. Aber auch in der Gesundheitswirtschaft (45 Prozent) und der Zeitarbeit (85 Prozent) bleiben in vielen Betrieben Stellen lange unbesetzt.
• Als Reaktion auf Fachkräfteengpässe wollen die Unternehmen in erster Linie auf den eigenen Nachwuchs setzen und ihre Ausbildung ausweiten (52 Prozent). Derzeit gibt es bereits mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerber. Rückläufige Schülerzahlen, die zunehmende Konkurrenz eines Studiums gegenüber der dualen Ausbildung sowie das Fehlen der Ausbildungsreife erschweren für viele Unternehmen diesen Weg der Fachkräftesicherung.
• Jedes zweite Unternehmen plant die Ausweitung der Weiterbildung. Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist dabei die Beteiligung älterer Beschäftigter wichtig. 31 Prozent der Unternehmen wollen über eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität Fachkräfte gewinnen und halten. Dazu gehören neben einer attraktiven Bezahlung auch die Arbeitsplatzqualität sowie beispielsweise Karrieremöglichkeiten und flexible Arbeitszeiten. Gerade Zeitarbeitsunternehmen wollen ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern.
• Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird für die Unternehmen als Strategie zur Fachkräftesicherung immer wichtiger. Innerhalb der letzten vier Jahre hat der Anteil der Unternehmen, die ihre Maßnahmen ausbauen wollen, von 15 Prozent auf 25 Prozent um mehr als die Hälfte zugenommen - nicht zuletzt ein Erfolg der vielfältigen Informationsangebote der IHK-Organisation.
• Jedes vierte Unternehmen will die Einstellung und Beschäftigung Älterer ausweiten. Bereits in den letzten Jahren ist die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer gestiegen. Flankiert werden muss die längere Erwerbstätigkeit beispielsweise durch eine altersgerechte Personalpolitik und betriebliche Gesundheitsförderung.
• Die Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland ist für zwölf Prozent der Unternehmen ein Weg zur Fachkräftesicherung. Gerade Betriebe mit Stellenbesetzungsproblemen wollen verstärkt auf ausländische Experten setzen – beispielsweise im Bereich Gesundheits- und soziale Dienste (28 Prozent) und im Fahrzeugbau (23 Prozent).
• Verlängerte Arbeitszeiten planen elf Prozent der Betriebe. Vor allem vollzeitnahe Modelle als Alternative zum Halbtagsjob bieten hier Potenzial. Zu einer Einschränkung von Produktion und Serviceleistungen als Folge fehlender Fachkräfte sehen sich derzeit nur vier Prozent der Unternehmen gezwungen in der Gastronomie sind es allerdings schon zwölf Prozent.
• Eine bessere Qualifikation der Schulabgänger steht als Voraussetzung zur Fachkräftesicherung aus Sicht der Unternehmen ganz oben – dies fordern 66 Prozent. Gerade Betriebe, die ihre Ausbildungsanstrengungen intensivieren wollen, sehen dafür in der besseren Schulbildung und damit in der Ausbildungsreife eine wichtige Voraussetzung.
• Für mehr als jedes dritte Unternehmen stellt eine bessere Vermittlung Arbeitsloser durch die Arbeitsagenturen eine Hilfestellung zur Fachkräftesicherung dar. Dies gilt gerade für kleine Unternehmen, die zumeist keine eigene Personalabteilung haben, und in Branchen mit eher geringen Qualifikationsanforderungen.
• Ein Drittel der Betriebe mahnt den weiteren Ausbau der Betreuungsinfrastruktur an. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, damit Eltern überhaupt oder länger arbeiten können.
• Eine leichtere Beschäftigung ausländischer Fachkräfte wäre für 17 Prozent der Unternehmen hilfreich. Die bisherigen Regelungen haben eine unkomplizierte Einstellung von klugen Köpfen aus dem Ausland in der Regel nicht ermöglicht.
Der komplette DIHK-Arbeitsmarktreport 2011 "Der Arbeitsmarkt im Zeichen der Fachkräftesicherung" steht Ihnen zum Download zur Verfügung.

