STANDORTPOLITIK
Stadtmarketing und Citymarketing erfolgreich betreiben
Ist vor Ort die grundsätzliche
Bereitschaft zur Kooperation und zur aktiven Mitarbeit
vorhanden?
Für ein erfolgreiches Stadt- und
Citymarketing ist es erforderlich, dass sowohl private als auch
öffentliche Akteure miteinander kooperieren. Insbesondere der
Schaffung einer breiten öffentlichen Beteiligung sowie der
Motivation der in den Prozessablauf eingebundenen Personen kommt
hierbei eine zentrale Rolle zu. Wichtig ist es, den individuellen
(wirtschaftlichen) Nutzen solcher Kooperationen
herauszustellen.
Sind alle potenziellen
Kooperationspartner zur Beteiligung eingeladen?
Erfolgreiches Stadt- und Citymarketing berücksichtigt die
unterschiedlichen Interessenlagen in der Stadt. Dies gelingt am
besten durch Einbindung der unterschiedlichen Gruppen.
Stadtmarketing, das ausschließlich von der Kommunalverwaltung
betrieben wird, kann ebenso schnell an den eigentlichen
Erfordernissen vorbeigehen, wie sich eine nur von von der
Wirtschaft getragene Initiative ohne Unterstützung der Kommune
schnell totlaufen kann. So sollten auch die Bürger ebenso wie
Politik und Wirtschaft in die Prozesse eingebunden werden. Als
besonders vorteilhaft hat es sich herausgestellt, auch die
regionalen Medien als Akteure zu gewinnen.
Sind die wichtigsten
Meinungsbildner mit an Bord?
Für ein erfolgreiches
SM/CM ist es unerlässlich, die "Motoren", "Platzhirsche" und
wichtigsten "Meinungsmacher" der Ortsentwicklung einzubinden. Nur
dann können die notwendigen Schubkräfte richtig gebündelt und
gezielt für eine dynamische Entwicklung vor Ort zum Tragen kommen.
Ein verletztes "Ego" könnte hingegen deutlich kontraproduktiv
wirken.
Ist die Finanzierung des
Stadt- und Citymarketings nachhaltig gesichert?
Allein die Höhe der finanziellen Ausstattung ist noch keine
Garantie für ein erfolgreiches Stadt- und Citymarketing. Wichtiger
ist die nachhaltig abgesicherte Finanzierung, um Planungssicherheit
zu bieten. Ferner muss es Übertrags- und Ansparmöglichkeiten für
größere Projekte geben, die erst in einigen Jahren durchgeführt
werden sollen. Bewährt hat sich ein Finanzierungsmodell, bei dem
sowohl private als auch öffentliche Gelder zur Finanzierung
eingesetzt werden. Wer Geld gibt, identifiziert sich auch stärker
mit "seinem" Stadt- und Citymarketing. Spätestens an diesem Punkt
gilt es auch darüber nachzudenken, wie man mit so genannten
"Trittbrettfahrern" umgeht, die zwar gerne die Aktivitäten des
Stadt- und Citymarketings für sich nutzen, sich aber nicht
finanziell beteiligen. Natürlich ist auch zu prüfen, ob
Fördermöglichkeiten z. B. des Landes oder der EU für das Projekt
oder einzelne Maßnahmen genutzt werden können. Zur besseren
Absicherung der finanziellen Tragfähigkeit des Projektes sollte die
Organisation die Möglichkeit zur Durchführung von Eigengeschäften
erhalten. Denkbare Ansätze sind unter anderem:
Sondernutzungsgebühren, Parkraumbewirtschaftung oder
Veranstaltungsmanagement.
Gibt es ein klar definiertes
Ziel für die zukünftige Entwicklung der Stadt, an dem sich das
Stadt- und Citymarketing orientieren kann?
Aufbauend
auf einem Entwicklungskonzept der Stadt sollten Zielvorstellungen
formuliert werden, die beschreiben, welche für eine Entwicklung die
Stadt in den nächsten Jahren nehmen soll. Zu ihrer Bearbeitung ist
eine breite Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen
wünschenswert. Die Ziele, die eine geschlossene in sich konsistente
Einheit darstellen sollten, müssen darauf ausgerichtet sein, das
Profil des Ortes für den interkommunalen Wettbewerb zu schärfen
sowie eine Identität und ein Image intern wie extern zu erzeugen.
Die Ziele sollten dabei einfach, klar und von breiter Akzeptanz
sein. In einem weiteren Schritt gilt es dann, mehrere
Entwicklungspfade (Strategien) zu identifizieren, über die diese
Ziele erreicht werden können - es gibt nicht einen Weg in die
Zukunft, sondern viele! Hierbei muss herausgearbeitet werden, unter
welchen Prämissen welche Pfade beschritten werden. Um die Ziele zu
erreichen, ist ein Maßnahmenkatalog zu erstellen, der an den
strategischen Ansätzen zu spiegeln ist. Die Einzelmaßnahmen sind
ferner immer darauf zu überprüfen, ob sie mit den vereinbarten
Entwicklungszielen übereinstimmen. Ebenso gilt es, die formulierten
Ziele kontinuierlich auf ihre Gültigkeit zu überprüfen. Sie müssen
zwar eine gewisse Konstanz und damit Verlässlichkeit
(Planungssicherheit!) aufweisen, müssen aber andererseits flexibel
genug sein, dass sie an veränderte Rahmenbedingungen angepasst
werden können.
Gibt es eine verbindliche
Organisationsstruktur?
Stadt- und Citymarketing
erfordert eine professionelle Arbeitsweise, die in der Regel allein
auf ehrenamtlicher Basis nicht zu bewältigen ist. Neben ausreichend
personeller Kapazität ist eine personelle Kontinuität zu
gewährleisten. Die Entscheidungskompetenzen und -wege sind
festzulegen. Wird ein hauptamtlicher Stadt- und/oder Citymanager
eingestellt, sind sein Anforderungsprofil, sein Aufgabengebiet und
seine Befugnisse frühzeitig vor Vertragsunterschrift zu klären. Nur
wenn klar ist, wer was macht und wer welche Entscheidungsbefugnisse
hat, ist eine effektive Arbeitsweise zu erreichen. Der "Firmierung"
des Stadt- und Citymarketings kommt hingegen nur eine
untergeordnete Rolle zu. Ein Arbeitskreis arbeitet nicht per se
"schlechter" als eine GmbH. Zur Sicherstellung einer effizienten
erfolgsorientierten Arbeitsweise sind überprüfbare
Zielvereinbarungen vorzunehmen. Im Sinne eines Controlling sind die
durchgeführten Maßnahmen ebenso auf ihren angestrebten Erfolg hin
zu überprüfen, wie die Zufriedenheit der intern wie extern
Beteiligten (Kunden!). Nicht vergessen werden darf, dass Stadt- und
Citymarketing langfristig ausgerichtet ist. Die
Organisationsstrukturen müssen auf Beständigkeit ausgerichtet sein
und die übergeordneten Entwicklungsziele sind in kurzfristige
Teilziele zu unterteilen, deren Bearbeitung am besten fest
definierten Arbeitskreisen übertragen wird.
Ist die langfristige
Motivation der Beteiligten sichergestellt?
Ehrenamtliche Tätigkeit erfordert ein hohes Maß an Motivation. Eine
zügige Umsetzung der geplanten Maßnahmen ist daher sehr wichtig.
Das Stadt- und Citymarketing darf kein "Debattierclub" werden.
Maßnahmen, die besonders leicht umzusetzen sind und einen schnellen
Erfolg ermöglichen, sollten daher am Beginn des Prozesses stehen -
ohne dass dabei der strategische Ansatz aus den Augen verloren
wird. Bei der Einstellung eines Stadt- und/oder Citymanagers kann
ein erfolgsabhängiger Gehaltsbestandteil motivierend wirken. Er
muss dann aber auch die Möglichkeiten erhalten, dieses Geld zu
verdienen.
Stimmt das Eigenmarketing des
Stadt- und Citymarketings?
Mindestens genauso
bedeutend wie die schnelle Durchführung von Maßnahmen ist es, die
Ergebnisse sichtbar zu machen: Tue Gutes und sprich darüber!
Schließlich ist der zentrale Bestandteil des Stadt- und
Citymarketings ja das "Marketing". Eigenmarketing motiviert die
Beteiligten und schafft Identifikation. Zusätzlich werden weitere
potenzielle Akteure auf die Projekte aufmerksam und evtl. auch
Synergien deutlich, an die bisher niemand gedacht hatte.
Bei allen diesen Punkten handelt es sich um strukturorientierte Prüfsteine des Stadt- und Citymarketings. Doch wie sieht es mit dem Inhalt aus? Die Spannbreite an durchgeführten Maßnahmen ist enorm und reicht von einfachen Maßnahmen bis hin zu phantasievollen und aufwendigen Projekten. Hierbei grundsätzlich zwischen "gut" und "schlecht" zu unterscheiden, ist nicht angebracht. Die Projekte können nur im Einzelfall am absoluten Erfolg bzw. am Verhältnis von Input zu Output oder an ihrem Zielerreichungsgrad gemessen werden. Grundvoraussetzung ist aber, dass das Projekt mit den Zielen kompatibel ist und deren Erreichung fördert. So muss sich jedes Stadt- und Citymarketing letztlich die Frage stellen lassen:
Verbessert sich durch die
Maßnahmen die Wettbewerbsposition der Stadt?
Alle
durchgeführten Maßnahmen haben letztlich die
Attraktivitätssteigerung der Stadt für unterschiedlichste Gruppen
zum Ziel. Im Idealfall wird eine unverwechselbare Positionierung
der Stadt erreicht. Inhaltlich sollten sich die Maßnahmen daher an
den örtlichen Potenzialen orientieren ("Authentizität"). Es wird
schwer - und macht wenig Sinn - sein, einer Stadt mit maritimer
Ausrichtung das Image einer bayerischen Bergstadt zu geben - vor
diesem Hintergrund sollten die inflationären "Oktoberfeste" einmal
kritisch betrachtet werden. Es fällt leichter und ist für den immer
kritischer werdenden Kunden auch glaubwürdiger, an Vorhandenem
anzuknüpfen. Ferner gilt es, dem Kunden "Erlebnisse" zu bieten.
Dabei sind ungewöhnliche Kombinationen von Maßnahmen durchaus
erwünscht. Warum beispielsweise nicht einmal den Bereich Bildung
mit der Gastronomie kombinieren?
Katalog verschiedenster
Aktionen / Aktivitäten
Um zu verdeutlichen, wie weit
die Spannbreite der durchgeführten Maßnahmen ist, haben wir einen
unkommentierten Katalog der Aktivitäten angefügt. Dieser geht auf
die Bestandsaufnahme der niedersächsischen Stadt- und
Citymarketingprojekte zurück und ist keinesfalls vollständig. Er
soll lediglich der Anregung dienen, denn das Ziel einer
unverwechselbaren Positionierung der Stadt wird nicht durch
Nachmachen, sondern durch Selbermachen erreicht.
Interne/organisatorische Maßnahmen:
-
Internet-Auftritt
-
Bildung von Facharbeitskreisen
-
Erstellung eines Handlungskatalogs
-
Koordination unterschiedlichster Partner
-
Institutionalisierung des Stadt- und Citymarketings
-
Einstellung eines Citymanagers
-
Durchführung einer Zukunftswerkstatt (Seminarreihe)
-
Einrichtung eines Eventcontrolling
Leitbildentwicklung/Studien/Umfragen
-
Leitbildentwicklung
-
Erhebung bei Kindern und Jugendlichen
-
Situations- und Imageanalyse
-
Anfertigung einer Entwicklungsstudie
-
Telefoninterviews zur Ist-Analyse
Nach außen gerichtete Maßnahmen/Aktionen
-
Planung eines Verkehrsleitsystems
-
Weihnachtsbeleuchtung
-
Info-Broschüre
-
Image-Broschüre
-
Projekt "Sauberkeit und Sicherheit"
-
Einrichtung eines Zukunftsforums mit allen gesellschaftlichen relevanten Gruppen
-
Maimarkt
-
Weinfest
-
Stadtfest
-
Hobbybörse
-
Wirtschaftsschau/Informationsmesse
-
Aktionstage für Jugendliche
-
Tag des Auszubildenden
-
Wirtschaftswerbebroschüre
-
Wettbewerbsbeteiligung "Ab in die Mitte"
-
Verkaufsoffene Sonntage
-
City-Card
-
Belebung der bestehenden Märkte
-
Netzwerkaufbau Schule-Wirtschaft
-
Einkaufsführer
-
Parkplatzführer
-
Rathaus und Bürgerservice im Internet
-
Kulturnacht
-
Hotelbeschilderung
-
Fußgängerinformationssystem
-
Zeitungsbeilagen zu Imagezwecken
-
Senkung der Parkgebühren
-
Gemeinsames Logo
-
Gewerbeflächen-Informationen (sammeln und bereitstellen)
-
Gästeführungen
-
Pflege der historischen Vergangenheit
-
Straßenfest
-
Weihnachtsmarkt
-
Vereinheitlichung der Ladenöffnungszeiten
-
Tag der offenen Tür für Industriegebiete
-
Erlebniswochenenden
-
Freizeitkarte
-
"I-Punkte" als Anlaufstelle für Bürger und Touristen
-
Partnerschaft für Blumenbeete
-
Neugestaltung der Bepflanzung
-
Musiktag
-
Städtische Leihfahrräder
-
Stadtführer als Broschüre
-
Image-Ausstellungen
-
Gemeinsame Weihnachtswerbung
-
Frühjahrsmarkt
-
Veranstaltungsreihe "Music in the City"
-
Leerstandsmanagement
-
Kultursommer
-
Veranstaltungskalender
-
Markenaufbau
-
Innenstadtsanierung
-
Katalog mit Förderprogrammen
-
Wirtschaftstreffen/Unternehmergespräche
-
Ideenwettbewerbe
-
Heißluftballon zur Imagewerbung
-
Installierung einer mobilen Eislaufbahn
-
Einrichtung von Spielsituationen in der Innenstadt
-
Ortsinfobucht an den Haupteinfahrtsstraßen
-
Dampflokfest
-
Hotelklassifizierung
-
Stadtökologischer Lehr-Pfad
-
Bepflanzung der Innenstadt
-
Kultur auf die Straße
-
Bauernmarkt
-
Broschüre mit Angeboten für Behinderte

