Neujahrsempfang 2017

Jahresauftakt mit dem Schwerpunktthema „Digitalisierung“ 

 

Der diesjährige Gastredner beim Neujahrsempfang der IHK Karlsruhe was Google’s Chief Innovation Evangelist Dr. Frederik Pferdt. In seinem Vortrag „Neues Denken – Standard einer Innovationskultur“ sprach er über das Entstehen von Kreativität und Innovation in Unternehmen und die unglaubliche Kraft von „Was-wäre-wenn-Fragen“.
In seiner Neujahrsrede betonte der Präsident der IHK Karlsruhe, Wolfgang Grenke, die Chancen von Digitalisierung und Internationalisierung und bekräftigte: „Uns leitet nicht die Angst, uns leiten Hoffnung und Zuversicht“.
Die Videomitschnitte des Neujahrsempfangs sowie die Neujahrsrede können Sie unter "Mehr zu diesem Thema" ansehen .
 

Vortrag von Dr. Frederik G. Pferdt:
"Neues Denken - Standart einer Innovationskultur"

 

Großartige Fragen führen zu großartigen Antworten. Dabei besitzen vor allem „Was-wäre-wenn-Fragen“ laut Dr. Pfederik Pferdt, Google’s Chief Innovation Evengelist, eine unglaubliche Kraft. Sie setzen Kreativität frei, indem sie eine gesunde Missachtung des Unmöglichen ausdrücken. Sich diese Fragen zu stellen setzt voraus, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Und sie haben auch etwas mit Führung zu tun. Pferdt ist davon überzeugt, dass Innovationen in Unternehmen entstehen, wenn eine Kultur des Optimismus und der Freiheit vorherrscht, in der es Mitarbeitern gestattet ist, Fragen zu stellen. Führen heißt, zu inspirieren und nicht, mit Antworten zu führen.
Der Mann mit dem seinerzeit schnellsten Roller von Ravensburg, der heute bei Google im Silicon Valley für Innovation und Kreativität der Mitarbeiter sorgt, führte dem Publikum zu Beginn seines Vortrags vor Augen, dass jeder Einzelne heute über Technologien verfügt, die vor wenigen Jahren nur großen Unternehmen und Organisationen vorbehalten waren. Das ist das Ergebnis von zahlreichen technischen und wissenschaftlichen Durchbrüchen der letzten Jahre, auf denen wir uns aber heute nicht ausruhen können: „Wir müssen Neues versuchen und neues Denken zum Standard machen. Innovation entsteht durch Ihre Leidenschaft und Ihr Vertrauen, etwas Neues schaffen zu können“, so seine Botschaft an die Zuhörer. „Es kommt auf uns Menschen an, auf jeden Einzelnen. Jeder ist mit der Möglichkeit zu Kreativität und Neues denken zu können geboren.“ Pferdt ermöglicht Mitarbeitern bei Google, nicht damit aufzuhören, solche Fragen zu stellen und auch als Erwachsener, Dinge in Frage zu stellen: Warum sollte es so sein, warum könnte es nicht anders sein? Oder konkret am Beispiel Google: Was wäre wenn wir allen Menschen Zugang zum Internet geben? Innovation bedeutet für ihn, in jedem Bereich neue Ideen zu denken und den Mut zu haben, sie umzusetzen.
„Innovation entsteht durch  Ihre Leidenschaft und Ihr Vertrauen, etwas neues schaffen zu können.“ Dr. Frederik G. Pferdt
Offenheit und Transparenz
Ganz im Sinne seiner Mission als „Innovation Evangelist“ forderte Pferdt das Publikum auf, in einem Experiment selbst auszuprobieren, wie Innovation entsteht. Nachdem jeder eine persönliche „Was-wäre-wenn-Fragen“ notiert hatte, sollte das Blatt an den Sitznachbarn weitergereicht werden, um die Ideen auszutauschen. Das spiegelt neben dem Infragestellen des Bestehenden einen zweiten wesentlichen Faktor beim Entstehen von Innovation: Offenheit und Transparenz. Heimlichkeit macht Innovation und Kollaboration zu Nichte, Transparenz dagegen und das Teilen von Ideen erzeugt Vertrauen. Für Google kann Pferdt berichten, dass dort diese Kultur der Transparenz durch die Führungsspitze vorgelebt wird: alle Mitarbeiter erhalten regelmäßig Informationen und die Möglichkeit, Fragen an die Unternehmensführung zu stellen. Die emotionale Sicherheit, die daraus entsteht, macht für Pferdt den entscheidenden Unterschied zwischen nicht erfolgreichen und innovativen, erfolgreichen Unternehmen aus.
Optimismus
Im zweiten Teil des Experiments war das Publikum aufgefordert Ideen zu entwickeln, die die Frage des Nachbarn Realität werden lassen könnte und sie wachsen lässt. Die „Was wäre wenn-Frage“ sollte nicht mit „Ja aber…“ entgegnet werden, wie es uns unser Gehirn gerne spontan tun lässt, sondern durch ein „Ja und…“ erweitert werden. Anschließend sollte das Blatt an eine dritte Person weitergereicht werden, die wiederum eine neue Idee hinzufügt. Mit dieser Aktion zeigte Pferdt, wie eine optimistische Kultur neue Ideen begrüßen und fördern kann und kreative Beiträge aller wertschätzt. Unternehmen, die neues Denken nicht fördern, so seine Überzeugung, verschwinden von der Bildfläche.
Scheitern und Lernen
Der Weg herauszufinden, wie die eigene Idee funktioniert und wie man aus ihr ein neues Produkt entwickeln kann, ist, sie auszuprobieren, also mit Neugier und Forschergeist heranzugehen. Zum schnellen Lernen gehört aber zwangsläufig schnelles scheitern dazu, um daraus lernen zu können. „Fehler machen ist ok“ ist daher ein weiterer Baustein zu Innovation und Kreativität im Unternehmen, denn „wir wollen nicht scheitern, wir wollen lernen, was funktioniert und was nicht“, so Pferdt.
Fokus auf den Nutzer
Bei allem Experimentieren steht aber der Nutzer an erster Stelle. Von seinen Bedürfnissen und Wünschen geleitet, folgt alles Weitere fast von selbst. „Organisationen, wir selbst, werden alle älter und neigen dazu, an dem festzuhalten, was in der Vergangenheit funktioniert hat.“ Das bedeutet, nur wenn wir mit dem Gewohnten brechen und Forscher sind, können Innovationen und gute neue Ideen für die Nutzer entstehen.
Das Fazit, das Pferdt seinen Zuhörern mit auf den Weg gab, bringt seine optimistische und vertrauensvolle Grundhaltung in Bezug auf Innovation auf den Punkt: „Sie haben alles, was Sie benötigen und nichts steht Ihnen im Wege.“